velobiz.de MAGAZIN 01/2021
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Der Sound der Straße

Gehört dazu, funktioniert oft nicht, begeistert selten: Die Fahrradglocke genießt bislang nicht gerade die höchste Wertschätzung. Mit wachsender Radverkehrslast könnte sich das ändern.

Sie gehört an jedes Rad und auch in so gut wie jedes Fachgeschäft. Wer nach Umsatzgaranten im Zweiradhandel fragt, wird aber nicht so schnell ihren Namen hören. Mitnahmeprodukt, bloß nicht zu teuer, Modeartikel - selten hört man etwas anderes, wenn es um dieses durchaus wichtige Teil am Lenker geht. Sicherheitsrelevant, aber selten sexy: so ist der Beziehungsstatus zur Fahrradklingel oder Glocke. Dabei steckt in dem tönenden Zubehör eine wichtige Funktionalität für zunehmend volle Straßen und Fahrradwege. Je mehr Fahrräder und E Bikes die Verkehrswege des Landes befahren, desto eher wird auch der Handel sich noch einmal genauer mit den Signalgebern beschäftigen.

Spricht man mit Dirk Zedler über das Thema, dann fängt es sofort an zu schellen: Der Sachverständige mit eigenem Prüfinstitut in Ludwigsburg hat seit Jahren einen eigenen Prüfstand im Unternehmen, um Klingeln auf die DIN-ISO-Norm zu bewerten. Man muss dazu sagen, dass für die Fahrradglocke die strengsten Prüfnormen in der gesamten Branche gelten.
Wer die Glockenprüfung bestehe und damit das CE-Zeichen legal auf seinem Pedelec oder E-MTB anbringen möchte, muss mit drei von vier Klingeln gleich eine ganze Reihe von Messwerten erreichen: Es geht um den Schall, der mit mindestens 85 dB austritt, um das Überleben von mehr als 3O.OOO Klingelvorgängen und die Korrosionsbeständigkeit bei Regenwetter beziehungsweise sogar winterlichem Salzeinfluss.

Zwischen Pfennigartikel und Designobjekt

So aufwendig Zedlers Teststand ist, so viel Begeisterung er beim Vorführen entfacht, so selten lässt ein Hersteller überhaupt seine Produkte auf die Norm hin testen. Kein Wunder, meint Zedler: "Von den gängigen Serienprodukten im Markt schafft kaum eines die Kriterien.“ Weil es so selten Nachfrage nach seiner Bewertung gibt, sammelt das Institut aus dem Schwäbischen auch mal auf eigene Faust Glocken fürs sogenannte "Benchmarking“ zusammen, packt also auf eigene Faust Klingeln in den Prüfstand. "Die Ergebnisse sind desaströs“, sagt Zedler. Auf 90 Prozent schätzt er den Anteil der Produkte, die den Anforderungen nicht gerecht werden. Hört man sich ein wenig in der Branche um, dann ist das kaum verwunderlich. Gerade die als OEM Ware mit Fertigrädern ausgelieferten Produkte würden vor allem unter einem Aspekt gesehen: Kosten. Es handle sich oft um Centware, die für die allermeisten Hersteller kein Verkaufsargument oder Qualitätsmerkmal darstelle, sondern höchstens hübsch aussehen müsse, so hört man es von Gesprächspartnern.

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Das Ende der Fahnenstange ist für das Thema im Zubehörsegment noch nicht erreicht. Ein Treiber wird die Verkehrssicherheit sein, meint Volker Dohrmann. Ebenso wie das Licht wird auch die akustische Warnung im dichteren Alltagsverkehr zunehmend relevant, vor allem bei einer immer weiteren Verbreitung und Nutzung von Pedelecs.

Dirk Zedler sieht das genauso. „Die Beleuchtung und die Klingel an einem Fahrrad sind genauso wichtig, wie die Bremsen und die Gangschaltung, wenn es um ernst zu nehmende Mobilität geht“, sagt Zedler. „Da wird an jedem Newtonmeter Drehmoment optimiert, aber man vergisst, dass sich der Fahrradfahrer auch mal den Weg freiklingeln muss.“ Das ist sein Appell an den Handel. Denn streng genommen könnte es ja passieren, dass 4000-Euro-Pedelecs aus dem Verkehr gezogen werden, wenn sie der rechtlichen Anforderungen nicht einhalten. Dazu reicht zumindest in der Theorie eine Klingel, deren Sound nach dem Winterwetter Glückssache ist.

Autor: Tim Farin

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