BIKE 01/2022

Testen ist Umweltschutz

BIKE: Das für sein Öko-Design prämierte Firmengebäude ist sicher ein gutes Signal. Aber ist es in Deinem Fall nicht wirksamer, auf der Kundenseite anzusetzen?

DIRK ZEDLER: Natürlich geht es bei einem Hersteller, der Zehntausende Fahrräder produziert, um viel mehr Material als in unserem mittelständischen Dienstleistungsunternehmen. Die Nachhaltigkeit dort ist schon über die Steigerung der Haltbarkeit ein zentraler Teil unserer Arbeit. Unser Vorteil ist, dass wir durch die Arbeit als Gutachter genau sehen, welche Schäden in der Praxis an einem Rad auftreten. Wenn bestimmte Schadensbilder sich wiederholen, entwickeln wir Maschinen und Verfahren, um diese im Test zu reproduzieren. Der Hersteller kann dann gezielt gegensteuern. Meistens gelingt das nicht sofort über die ganze Palette, aber in zwei bis vier Jahren sind die Produkte dann so weit, dass die Schäden nicht mehr auftreten. Produkte haltbarer zu machen, ist der Kern unserer Arbeit.

Wollen die Hersteller das? Sie verkaufen dann ja weniger.
Doch, das ist schon gefragt, auch ohne große Umweltgedanken. Erstens will sicher niemand riskieren, dass sich ein Kunde mit einem versagenden Produkt schwer verletzt oder stirbt. Zweitens muss der Händler zufrieden sein, der sich sonst mit Reklamationen herumschlagen muss. Und drittens ist der Ruf einer Marke beim Endkunden schnell ruiniert.

Ist die Verbesserung von Generation zu Generation nicht ein sehr langwieriger Weg zu einen haltbaren Produkt?
Wir haben sicher dazu beigetragen, die Verbesserungen der Haltbarkeit enorm zu beschleunigen. Weil wir unsere Testverfahren offenlegen, kopieren sie einige Zulieferer in Asien. Da steht dann „zedeler testing“ oder so was in der Produktbeschreibung. Irgendwie lustig, aber das hat sich als Begriff für das Testen oberhalb der Minimalanforderungen etabliert. Und es vermeidet schon ein paar schlechte Produkte. Wir entwickeln die Verfahren natürlich immer weiter und überprüfen dann auf neuestem Stand. Ich bin überzeugt, dass wir durch unsere Arbeit sehr viel Schrott und Müll vermeiden - der ja letztlich die gleiche Menge Rohstoff bindet wie ein funktionierendes, haltbares Produkt.

Ist die Radbranche generell auf einem nachhaltigen Weg?
So generell will ich das nicht beurteilen. Manches wird besser, anderes eher schlechter. Sagen wir es mal so: Wir haben als kleines Unternehmen bewiesen, dass man mit wenig Aufwand viel erreichen kann. Da finde ich es natürlich traurig, dass andere mit viel mehr Geld im Kreuz sich so wenige Gedanken machen.

Das Interview führte: Jörg Spaniol

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