Ludwigsburger Wochenblatt, 27.03.2017

Von der Draisine zum Pedelec in 200 Jahren

Ludwigsburg: Das Fahrrad prägte nicht nur die vergangenen 200 Jahre, ihm wird auch die Zukunft gehören. In der Ludwigsburger Zweigstelle des Landesarchivs Baden-Württemberg veranschaulicht die Ausstellung "200 Jahre Fahrrad – Als die Räder laufen lernten", wie vielfältig die Welt der Fahrräder heute ist. In der Schau spielen auch lokale Fahrradgeschichten eine Rolle. Der Eintritt ist frei.

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Wir wollen nicht vermessen sein, aber die Radvermessungsmethoden Dirk Zedlers haben von Ludwigsburg aus die Welt erobert. Der Palmarès des lokalen Radsports, insbesondere der des Traditionsvereins RSC Komet, nennt ebenfalls Regenbogentrikots und Deutsche Meisterschaften. Doch vor allem hat die Schau in Ludwigsburg eines, was den Mannheimern erstaunlicherweise fehlt: Das Dokument, mit dem alles begann, den Patentantrag des Freiherrn Karl von Drais vom 1. November 1817. Die Leihgabe stammt vom Generallandesarchiv in Karlsruhe, das, wie das Staatsarchiv in Ludwigsburg, zum Landesarchiv Baden-Württemberg gehört.

Doch wie sah es überhaupt aus, das erste Fahrrad der Welt? Die Zeichnung und ein Nachbau jener Draisine, mit der Karl von Drais am 12. Juni 1817 die ersten 13 Kilometer der Fahrradgeschichte zurücklegte, zeigen, dass das erste Fahrrad eine Laufmaschine war. Das Fahren, wie wir es heute kennen, das Pedalieren mit einem Veloziped, kam erst 50 Jahre später auf. Luftbereifung und Fahrradketten sind noch jünger.

Dr. Peter Müller vom Staatsarchiv machte die Erstbesucher am Montag auf etwas aufmerksam. Während die meisten Ausstellungen in seinem Hause mit Exponaten aus dem eigenen Bestand auskommen, sei diese Schau ein Kind der Kollaboration. Viele Hände haben zu ihrem Gelingen beigetragen.

Hervorgehoben seien in diesem Zusammenhang Schüler der Oscar-Walcker-Schule in Ludwigsburg. Denn sie, die 200 Jahre nach der Entdeckung des Zweiradprinzips, unbedingt etwas Besonderes zum Thema auf die Beine stellen wollten, hatten die Idee für die Ausstellung. Hans-Jörg Gerste, zusammen mit Elke Koch, der Leiter des Seminarkurses "200 Jahre Fahrrad" knüpfte den Kontakt zu Dirk Zedler.

Zedler liebt Fahrräder über alles und weiß fast alles über sie. Unter anderem sammelt er zusammen mit Helge Schultz historische Modelle. Einige Schätzchen aus der Sammlung Zedler/Schultz zählen sicher zu den dreidimensionalen Hauptattraktionen der Exposition. Zum Beispiel ein Bambusrad, ein Liegerad und ein Fahrrad, wie es in der Ära der Sechstagerennen verwendet wurde.

Aus dem Stadtarchiv Ludwigsburg stammen Fotos und zahlreiche Dokumente über die frühen Jahre der Fahrradbewegung in Ludwigsburg. Sie hatte um das Jahr 1888 herum vor allem dank der Gründung mehrerer Fahrradvereine Fahrt aufgenommen. Man traf sich zu Ausfahrten, organisiere Radkorsos.

Aus der Sammlung des Garnisonsmuseums Ludwigsburg fanden zahlreiche Ausstellungsstücke zur militärischen Verwendung des Fahrrades in den Ausstellungsraum. Ein Schweizer Militärfahrrad, das übrigens zwanzig Würfe aus dem Truppentransporter unbeschadet überstehen muss, damit es diensttauglich erklärt wird, komplettiert die militärische Facette.

Darüber hinaus gibt es auch historische Filmdokumente, die Walcker-Schüler haben ein Computerspiel entwickelt, und Dirk Zedler hat Oberrohre aufgesägt, die, an einem Schnürchen hängend, dem Besucher zeigen, aus welchem Material heute Räder gelötet oder mit Epoxidharz modelliert werden. Dazu können die Besucher an Rolltrainern in die Pedale treten. Freilich darf auch ein offizielles Pedelec der Stadt Ludwigsburg nicht fehlen. Es markiert den vorläufigen Höhepunkt in der Entwicklung eines Fortbewegungsmittels, das die Welt bewegt.

Autor/Foto: Michael Langjahr

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